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50 Jahre Zehn-Prozent-Aktion

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Jubiläum wird am 5. Mai in der Bergkirche gefeiert

455 Menschen haben die 50. Zehn-Prozent-Aktion mit Spenden unterstützt. Zusammengekommen ist eine Summe von 210.000 Euro. Die Jubiläumsaktion war eine besondere Herausforderung, denn nie zuvor wurden 450 Spender gesucht und nie zuvor hat der anonyme Großspender - „Mister Zehnprozent“ - einen Betrag von 50.000 Euro dazugegeben.

Das Geld fließt nun in Hilfsprojekte in Nigeria (95.000 Euro), Myanmar (50.000 Euro), auf den Philippinen (40.000 Euro) und in Frankfurt (25.000 Euro).

Geschichte:
Ins Leben gerufen hat die Zehn-Prozent-Aktion ein Frankfurter Kaufmann im Jahr 1968. Er hat zehn Prozent seines zu versteuernden Jahreseinkommens für Selbsthilfeprojekte in Afrika und Lateinamerika zur Verfügung gestellt. 10.000 Deutsche Mark sicherte er damals zu – allerdings nur dann, wenn auch 20 Gleichgesinnte bereit wären, auf den Zehnten ihres Verdienstes, des Taschengeldes oder ihrer Rente zu verzichten. Er wollte Menschen aus allen Bevölkerungskreisen dazu bewegen, es ihm gleichzutun. Die Aktion gelang, er fand bis März 1969 sogar 75 Mitspender. Die erste Spenderin war eine Biebricher Konfirmandin der evangelischen Lukasgemeinde. Mit dem gesammelten Geld – es waren 100.00 Euro - konnten drei Projekte von Brot für die Welt unterstützt werden.

Die Zehn-Prozent-Aktion maßgeblich vorangetrieben hat Wolf-Dieter Firnhaber, Geschäftsführer des damaligen evangelischen Dekanatsverbandes Wiesbaden und Mitglied der Wiesbadener Bergkirche. Er war mit dem spendenfreudigen Kaufmann befreundet und begleitete die Aktion von ihrer ersten Stunde an, sorgte für Pressearbeit, Bekanntheit und neue Partner: Mitte der 70er-Jahren kam das Hilfswerke Misereor hinzu. Bis heute arbeitet die Zehn-Prozent-Aktion vor allem mit Brot für die Welt, Misereor, Missio, der Caritas und dem Diakonischen Werk zusammen.

Wolf-Dieter Firnhaber ist 1981 verstorben, seine Ehefrau Bärbel ist bis heute Mitglied im Aktionskreis der Spendenaktion, der 1981 zur Steuerung der Aktion gegründet wurde. 1981 wurde ebenfalls entschieden, dass neben Hilfsprojekten im Ausland auch immer ein deutsches Projekt, das „Projekt vor der Haustür“, unterstützt werden sollte.

Nach 38 Jahren anonymen Spendensammelns möchte auch der aktuelle „Mister Zehnprozent“ aufhören. Er trat 1981 die Nachfolge des ersten Misters an. Nun geht auch er in den Ruhestand und Wiesbaden sucht einen neuen „Mister Zehnprozent“.

Die biblische Grundlage der Zehn-Prozent-Aktion ist von Anfang an das alttestamentliche Gebot, den Zehnten der Ernte den Armen zu geben, so wie es beim Propheten Maleachi steht: „Bringt den Zehnten in voller Höhe in mein Kornhaus, auf dass in meinem Hause Speise sei.“

Mit einem Betrag von 9,3 Millionen Euro hat die Zehn-Prozent-Aktion seit ihrer Gründung rund 230 Projekte in 70 Ländern weltweit und fast 70 Hilfsprojekte „vor der Haustür“ in Deutschland gefördert. Die Schirmherrschaft hat seit 1981 Brot für die Welt. Träger ist das Evangelische Dekanat Wiesbaden.

Auch wenn die Summe, die jeder spendet, keine Rolle spielt, geben rund 40 Prozent der Spender vermutlich wirklich Zehn Prozent des Einkommens, weiß Pfarrerin Bea Ackermann, Vorsitzende der Zehn-Prozent-Aktion.

Für Ackermann liegt der Reiz der Spendenaktion vor allem in der Wirkung, die jede einzelne Spende erzeugt: „Ich kann die entscheidende Spende, sein, die dazu führt, dass die Aktion zustande kommt. Das reizt die Menschen, auch Kinder – das merke ich oft, wenn ich bei Kindern und Jugendlichen für die Aktion werbe.“

Um den Nachwuchs potentieller Spenderinnen und Spender zu sichern, rührt Ackermann auch in vielen Schulen die Werbetrommel: "Man kann gar nicht früh genug anfangen, Kinder zum Teilen zu bewegen", erklärt die Pfarrerin.

Die hohe Identifikation vieler Menschen mit der Zehn-Prozent-Aktion, ist nach Ansicht von Bea Ackermann das Erfolgsgeheimnis: „Wir haben Familien, die bereits seit mehreren Generationen spenden – ursprünglich war es die Oma, jetzt sind es die Kinder und Enkel. Das Engagement für die Aktion wird in Familien oft weitergegeben.“

Dekan Dr. Martin Mencke ist von der Freigiebigkeit des „Mr. Zehnprozent“ beeindruckt und auch davon, dass sich jedes Jahr mehrere Hundert Menschen davon anstecken lassen. Die Zehnprozentaktion setze nicht nur auf den spontanen Impuls zur Hilfe, etwa bei Notfällen, sondern erinnere eindrücklich daran, dass wir als Menschen vor allem „Empfänger“ sind – Empfänger von Gaben, Mitteln, Vermögen. „Wir tun deshalb gut daran, davon weiter zu geben“, so Mencke.

„Entgegen einer Stimmung des ,Das steht mir doch zu‘ weist die Aktion immer wieder darauf hin, dass wir viel haben – und davon abgeben können. Und dies vor allem nicht nur bei denen, die vermögend sind, im landläufigen Sinne, sondern gerade bei Beziehern kleiner und kleinster Einkommen. Deshalb wünsche ich der Aktion, dass sie weiterhin zu begeistern vermag zum Geben. Denn leider hat Jesus immer noch recht: ,Ihr habt allezeit Arme bei euch‘ (Mk 14,7).“

Dankgottesdienst mit Jubiläumsfest

Die Zehn-Prozent-Aktion feiert ihr 50. Jubiläum mit einem zentralen Dankgottesdienst am Sonntag, 5. Mai, 10 Uhr, in der Bergkirche (Lehrstraße 6, 65183 Wiesbaden). Die Festpredigt hält Dekan Dr. Martin Mencke, die Liturgie gestalten Pfarrer Helmut Peters und Pfarrerin Bea Ackermann. Parallel startet um 10 Uhr ein Kindergottesdienst.

Anschließend ist ein Jubiläumsfest mit Sektempfang und Grußworten unter anderem von Cornelia Füllkrug-Weitzel (Präsidentin von Brot für die Welt) und Monsignore Pirmin Spiegel (Hauptgeschäftsführer Misereor). Für die musikalische Umrahmung sorgt das Wiesbadener Friedens- und Jugendorchester, zudem gibt es ein Unterhaltungsprogramm für Kinder.

Ab 13 Uhr wird im Gemeindezentrum ein Mittagsimbiss und Kaffee und Kuchen gereicht, ab 14 Uhr ist Zeit für die persönliche Begegnung der Spenderinnen und Spender, ehe die Veranstaltung gegen 15 Uhr mit einem Reisesegen endet.

Folgende Projekte werden in diesem Jubiläumsjahr mit insgesamt 210.000 Euro unterstützt:
Im Nordosten Nigerias will Brot für die Welt dem Hass, der Gewalt und dem Misstrauen zwischen Christen und Muslimen entgegentreten. Mit Hilfe der Partnerorganisation JPRM (Justice, Peace and Re¬conciliation Movement) entwickeln Christen und Muslime gemeinsam Möglichkeiten, ihr Leben zu verbessern: Sie legen neue Felder für den ökologischen Landbau an oder bauen neue Brunnen. Zudem organisiert JPRM Treffen der Religions¬führer – für den Austausch über und die Förderung von Frieden und Gerechtigkeit.

Misereor arbeitet in Myanmar mit der Metta Development Foundation zusammen. 4500 Menschen aus zehn Dörfern bekommen jetzt sauberes Trinkwasser und hygienische Sanitäreinrichtungen. Zehn kleine Schwerkraft-Wasserversorgungsanlagen und 80 Latrinen (acht pro Dorf) sind geplant. Für die Bereiche Gesundheit und Hygiene werden Animateure ausgebildet. Die Maßnahmen erfordern in allen Dörfern gemeinsames Engagement, was auch der Dorfentwicklung und Selbstverwaltung zu Gute kommt.

Auf der philippinischen Insel Cebu werden zahlreiche Kinder aus armen Familien Opfer sexuellen Missbrauchs. Das Internet hat eine neue lukrative Einkommensmöglichkeit eröffnet, die dazu beiträgt, dass bereits sehr kleine Kinder für Cybersex missbraucht werden. Die Nichtregierungsorganisation „ANCE“ – Partner von Missio Aachen – steuert dagegen. Sie plant deshalb ein breit aufgestelltes Schutzprogramm für Kinder vor Cybersex. So ist vorgesehen, Eltern, Kinder und Lehrer in Schulen und Pfarrgemeinden über das Thema aufzuklären. Vor allem Eltern müssen sich bewusst werden, was sie ihren Kindern mit ihren Handlungen antun.

Das „FeM Mädchenhaus“ in Frankfurt berät, schützt und hilft als gemeinnützige Einrichtung Mädchen und junge Frauen in Frankfurt und Umgebung, die von psychischer, körperlicher oder sexualisierter Gewalt betroffen oder bedroht sind. Das Besondere an FeM ist der ganzheitliche Ansatz: Mädchenzuflucht, Schutzwohnungen, Treff und Beratung sind unter einem institutionellen Dach vereint. Im Januar 2016 wurde zusätzlich FemJa für junge, volljährige Frauen eröffnet – eine anonyme Übergangseinrichtung mit insgesamt sechs Plätzen für Frauen im Alter zwischen 18 und 21 Jahren, die von Gewalt oder Zwangsheirat bedroht sind. FemJa ist bundesweit ein Leuchtturmprojekt: Es ist die einzige Einrichtung in Deutschland mit diesem speziellen pädagogisch begleiteten Schutzangebot für von Gewalt bedrohte junge Frauen dieser Altersgruppe.

Die 51. Spendenaktion hat begonnen und dauert bis 31. März 2020.
Es werden 366 Mitspenderinnen und -spender gesucht. „Mister Zehnprozent“ wird 25.000 Euro dazugeben.
Es werden Projekte unterstützt in Nigeria, um dort die Trinkwasserqualität zu verbessern, in Indien, um Latrinenreinigen ein würdevolles Leben zu ermöglichen und im Libanon, um dort jungen Menschen Zukunftschancen zu eröffnen. Das Projekt „vor der Haustür“ sind die Lilienkicker Wiesbaden, ein Fußballprojekt des Diakonischen Werks für Wohnungslose und sozial ausgegrenzte Menschen.

Spendenkonto: Evangelische Bank eG Kassel
IBAN: DE31 5206 0410 0004 0444 44

Weitere Informationen: www.zehn-prozent-aktion.de


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