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Propst will die Beichte neu beleben

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"Es geht nicht um Schuld, sondern um Vergebung"

Propst Oliver Albrecht hat sich für die Belebung der Einzelbeichte in der Evangelischen Kirche ausgesprochen. Am Buß- und Bettag machte er in der Wiesbadener Marktkirche in seiner Predigt deutlich: „Beichte ist nichts katholisches. Luther schaffte die Beichte nicht ab, er befreite sie.“

Es sei sinnvoll, einem Menschen, den man vergeben hat, danach zu sagen, er solle die Sache wieder in Ordnung bringen. Weniger sinnvoll sei es allerdings, das ,in Ordnung bringen‘ durch relativ sinnfreie religiöse Turnübung oder Geldzahlung zu ersetzen.


Propst Albrecht erinnerte daran, was auch Augustinus und Thomas von Aquin wussten: „Der Mensch beichtet nicht aus trauriger Angst, aus schlechtem Gewissen. Sondern aus Erleichterung.“ In der Beichte tue ich weder Gott noch der Kirche einen Gefallen, sondern nur mir selbst, so der Propst für Rhein-Main. Gott kenne unsere Schuld, unser täglich beweintes Zurückhalten doch schon längst, erklärte er in seiner Predigt: „Ich muss bei der Beichte nichts zugeben, ich darf endlich alles erzählen. Ich darf wie ein Kind in den Armen Gottes liegen und erzählen, was wirklich los ist.“


Albrecht sprach sich dabei leidenschaftlich für die Wiederentdeckung der Beichte für die ganze Kirche und für jede Gemeinde aus. Eine Gemeinschaft, in der die Beichte geübt werde, lerne allmählich zu sagen, wie es in echt ist. Und ein gesundes Selbstwertgefühl – für jeden einzelnen wie für eine ganze Gruppe – kann es nur auf der Grundlage der Wahrheit geben.


Untrennbar verbunden mit der Erleichterung bei der Beichte sei die Vergebung. „Ich öffne mit der Beichte die Tür für die Vergebung. Und das macht mich gleichzeitig barmherzig“, so Albrecht. Manche denken, dass Ziel der Beichte sei die Schuld. Das ist falsch. Das Ziel, ist die Vergebung. Vor der Beichte stehe die Gewissheit, dass Gott mir vergeben wird.

Und nach der Beichte stehe die Zusage, dass Gott mir auch in diesem konkreten Fall wieder vergeben hat, so Albrecht: „Durch die Beichte kann Gott selbst handeln.“

Hintergrund Buß- und Bettag

Der Buß- und Bettag ist für evangelische Christen ein Tag der Besinnung und Neuorientierung im Leben. Der Gedenktag dient dem Nachdenken über individuelle und gesellschaftliche Irrtümer. Der protestantische Buß- und Bettag, erstmals 1532 im mittelalterlichen Straßburg offiziell eingeführt, wurde 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung in allen Bundesländern außer in Sachsen als gesetzlicher Feiertag ersatzlos gestrichen. Der Tag hat seinen festen Platz im kirchlichen Festkalender jedoch nicht verloren. Viele Gemeinden laden zu Gottesdiensten und Andachten. Die Wiesbadener Marktkirchengemeinde feiert traditionell am Buß- und Bettag um 10 Uhr einen Gottesdienst.


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