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Wo ist das Paradies?

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Artisten-Gottesdienst fragt nach dem Himmel auf Erden
Kugeln in der Größe eines Handballs fliegen in die Höhe. Der tschechische Jongleur Zeejay steht in der Mitte der Zirkusmanege. Mit spielerischer Leichtigkeit hält der 22-Jährige bis zu sieben dieser Kugeln gleichzeitig in der Luft – dem Publikum stockt der Atem.

Mit seiner Solo-Jonglagedarbietung ist Zeejay beim European-Youth-Circus in Wiesbaden mit der Goldmedaille in seiner Altersklasse ausgezeichnet worden. Am Sonntagmorgen zeigt er in einem voll besetzten Zirkuszelt beim ökumenischen Artisten-Gottesdienst erneut sein Können – vor zahlreichen Familien und staunenden Kinderaugen.

Einen ökumenischen Gottesdienst in einem Zirkuszelt mitten auf dem Dernschen Gelände – das gibt es in Wiesbaden alle zwei Jahre während des European-Youth-Circus. Und der Andrang ist auch in diesem Jahr riesig.
Die Manege ist an diesem Sonntagmorgen ungewöhnlich bestückt: Ein Altar mit großen Kerzen steht in der Mitte, zwei große Kreuze werden von der Lichttechnik an die Wand gemalt, an der einen Seite hat sich der Kinderchor der Evangelischen Singakademie unter Leitung von Jud Perry aufgestellt, vor dem Altar stehen der evangelische Dekan Dr. Martin Mencke und der katholische Stadtdekan Klaus Nebel.

In ihrer Dialogpredigt fragen die beiden Dekane nach dem Paradies: „Am Anfang als alles noch in Ordnung war – das war Paradies“, erklärt Mencke. „Von Streit und Neid, von Missgunst und Gewalt war nichts zu hören.“ In diesem biblischen Bild stecke eine große Sehnsucht der Menschen, so Mencke.
Und wo finden wir das Paradies heute? Wie hoch hinaus müssen wir dafür, und wie sehr müssen wir uns dafür anstrengen? „Jesus lehrt es uns anders“, erklärt der evangelische Dekan. Mit dem Himmel sei es nicht so, dass wir dafür schaffen und rödeln könnten, sondern Gottes Reich komme auf die Erde – wir wüssten nur nicht, wie: „Es liegt also nicht am Laufen und Vollbringen von uns. Nicht am Anstrengen, am Hoch-hinaus-kommen. Sondern etwas ganz anderes tut Not: geschehen lassen, sich öffnen, sich liebhaben lassen. So kommt Gott auf die Welt.“
Der Gottesdienst wird immer wieder von den Auftritten junger Artistinnen unterbrochen: Neben dem Jugendzirkus Flambolé, der eine ästhetische wunderbare Jonglage mit Glaskugel und eine beeindruckende Seil-Akrobatik präsentiert, zeigt etwa das Duo Olivia, das den Preis der Wiesbadener Kirchen gewonnen hat, Trapez-Akrobatik. Die beiden jungen Schwedinnen wirbeln durch die Luft, mal hält und trägt die eine die andere, dann wieder andersherum – atemberaubend, geschmeidig und wunderbar anzusehen. Die zwölf Jahre alte Anna Plutakhina aus der Ukraine ist die jüngste Artistin des Festivals. Sie bewegt sich mit weichen und spielend leichten Bewegungen an einem weißen Tuch auf und ab, klettert katzenartig rund zehn Meter in die Höhe, um sich dann wieder elegant in die Tiefe zu stürzen und in letzter Sekunde festzuhalten. Zu Recht bekommt nicht nur die junge Ukrainerin tosenden Applaus für ihre Leistung.


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