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Lutherkirchen-Kantor Jörg Endebrock wechselt an den Hamburger Michel

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Zum 1. Januar 2020 verlässt der 48-Jährige Wiesbaden

Der Kantor der Wiesbadener Lutherkirche, Jörg Endebrock, verlässt Wiesbaden. Er wechselt auf einen der renommiertesten Posten für deutsche Kirchenmusiker:

Zum 1. Januar 2020 wird er Kantor an der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis und folgt Kirchenmusikdirektor Christoph Schoener nach, der in den Ruhestand geht. Mit ihren fünf Orgeln zählt die Hamburger Hauptkirche zu den Highlights der Orgelkultur in Deutschland. Die Hansestadt gilt nach wie vor als eine der wichtigsten Städte evangelischer Kirchenmusik.

Der 48-jährige Endebrock (Foto: Volkmar Thedens-Jekel) ist seit 2008 in Wiesbaden an der Lutherkirche tätig, wo er erfolgreich den Bachchor und den Kammerchor leitet und vor drei Jahren mit dem Dekanat zusammen die Evangelische Singakademie Wiesbaden ins Leben gerufen hat. Die Evangelische Singakademie ist aus der Kinder- und Jugendchorarbeit des Bachchors hervorgegangen. Sie ist eine stadtweite Einrichtung, die an der Lutherkirche beheimatet ist. Rund 200 junge Sängerinnen und Sänger proben hier wöchentlich.

Als Konzertorganist ist Jörg Endebrock deutschland- und europaweit aktiv. Rundfunkaufnahmen beim NDR, SWR und bei Radio France sowie CD-Einspielungen runden das Bild seiner künstlerischen Tätigkeit ab.

Endebrock wurde 1970 in Osnabrück geboren und studierte evangelische Kirchenmusik in Hamburg und Orgel in Paris. Er war unter anderem Preisträger bei den Internationalen Orgelwettbewerben von Haarlem (2. Preis und Tournemire-Preis) sowie Paris (Preis für die beste Interpretation Neuer Musik). Von 1999 bis 2008 war er an der Christuskirche Freiburg als Kantor tätig, ehe er nach Wiesbaden wechselte.

Mehr zur Kirchenmusik an der Lutherkirche und zum aktuellen Programm des internationalen Orgelsommers: www.lutherkirche-wiesbaden.de.

Über seinen Wechsel nach Hamburg an den Michel sprach Kirchenmusiker Endebrock mit Kulturredakteur Volker Milch:

Herr Endebrock, Ihre erfolgreiche Bewerbung nach Hamburg ist ja eine große Auszeichnung. Sind Sie überglücklich?

Natürlich bin ich überglücklich und auch ein bisschen stolz. Das ist ja nicht irgendeine Kirche. Hier wirkten vor mir unter anderem Georg Philipp Telemann und Carl Philipp Emanuel Bach. Es ist die Taufkirche von Johannes Brahms und darüber hinaus eine der schönsten Kirchen, die ich kenne. Wobei ich in puncto Schönheit an der Lutherkirche bisher wahrlich keinen Mangel hatte.

Wollten Sie es nach zehn erfolgreichen Jahren in Wiesbaden vor dem 50. Geburtstag noch einmal wissen?

Nicht unbedingt. Ich habe in Wiesbaden eine wirklich großartige Stelle, mit einem unglaublich tollen Bachchor, bei dem es menschlich stimmt und die Leute sich gern herausfordern lassen durch neue Stücke. Ich habe zwei fabelhafte Orgeln und wir sind ein gutes Team in der Gemeinde. Es gibt also keinen Grund, das aufzugeben. Aber St. Michaelis ist schon seit meinen Hamburger Studientagen immer meine Traumstelle gewesen. Ich musste das jetzt einfach versuchen!

Welche Bedeutung hat Hamburg für Sie als Kirchenmusiker? Und Deutschlands hoher Norden für Sie als Mensch?

In den Hamburger Hauptkirchen wirkten sehr wichtige Persönlichkeiten und auch heute ist Hamburg wohl eine der wichtigsten Städte für evangelische Kirchenmusik, das ist natürlich eine große Inspiration. Ich bin zwar nicht dort geboren, aber vom ersten Tag meines Studiums an war Hamburg meine „Herzensheimat“ und ist es bis heute geblieben. Der Wechsel dorthin hat auch etwas mit „nach Hause kommen“ zu tun.

Welche Instrumente erwarten dort den Organisten Endebrock in Hamburg?

Die Orgelanlage dort gehört ohne Zweifel zu den besten und größten in Deutschland. Es befinden sich insgesamt fünf Orgeln in der Kirche. Drei von ihnen lassen sich von einem Zentralspieltisch aus spielen, was wunderbare Raumeffekte möglich macht. Der Clou ist ein Fernwerk im Dachstuhl, dessen Klang durch einen Schallkanal und eine kleine Deckenöffnung in den Raum strahlt, als käme er aus einer anderen Welt.

Was wird jetzt aus der Evangelischen Singakademie? Man hört aus deren Umfeld schon großes Bedauern über Ihren Weggang.

Die Singakademie ist mein „Baby“ und vielleicht mein wichtigstes Projekt hier in den vergangenen zehn Jahren. Dass es gelungen ist, so viele Kinder und Jugendliche für das Singen zu begeistern, macht mich sehr stolz. Aktuell singen bei uns 200 Kinder und wir wachsen immer noch weiter. Dass die Stadt Wiesbaden sich seit diesem Jahr auch finanziell engagiert, hat mich dabei mit großer Freude erfüllt und habe ich als Anerkennung dieser Arbeit verstanden. Und die geht natürlich weiter: Ich habe ein fabelhaftes Team von Stimmbildnern und Chorleitern um mich versammelt, die das alles weiterführen werden, außerdem wird die Singakademie wichtiger Bestandteil in der Ausschreibung für meine Nachfolge sein.

Noch anderthalb Jahre in Wiesbaden: Was wird im Zentrum dieser Restzeit stehen?

Die Zeit ist lang! Zu lang für einen Dauerabschied. Deswegen habe ich mit dem Chor verabredet, dass wir die Trauer auf den nächsten Herbst verschieben und bis dahin weiterarbeiten, als sei nichts geschehen. Vor allem, weil wir in diesem Jahr das große Chorjubiläum feiern: Der Bachchor wird 40 und wird seit zehn Jahren von mir geleitet.

Das Interview führte Volker Milch.

Quelle: Wiesbadener Kurier / Tagblatt 9. Juli 2017


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