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Im Frie­den le­ben und schla­fen
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„Ar­che 2.2“ ge­lingt rundum ge­lun­ge­ne Auf­füh­rung

Die Dar­stel­le­rin­nen und Dar­stel­ler aus al­ler Welt agie­ren über­wie­gend bar­fuß. Und nä­hern sich na­he­zu laut­los an­ein­an­der an, lö­sen sich vo­nei­nan­der – und fin­den doch wie­der zu­ein­an­der. Die Re­so­nanz des Pu­bli­kums auf die­ses Mit­ein­an­der der ver­schie­de­nen Na­tio­na­li­tä­ten: Be­geis­te­rung.

Mit der „Ar­che 2.2“, Teil ei­nes in­ter­kul­tu­rel­len Works­hop-Pro­gramms, das im Haus an der Markt­kir­che mit dem Stück „Fremd und ver­traut“ Pre­mie­re fei­er­te, ge­lang das so oft Ge­for­der­te: Be­geg­nung und kul­tu­rel­le Teil­ha­be. Jen­seits al­ler Gren­zen. Sie wer­den wäh­rend der knapp ein­stün­di­gen Auf­füh­rung in ih­re Schran­ken ver­wie­sen. „Ich mag kei­ne Gren­zen“, lau­tet die Lo­sung. Am En­de des emo­tio­nal dar­ge­bo­te­nen Stücks mit teils auch sehr amü­san­ten An­klän­gen, strah­len Thea­ter­pä­da­go­gin Pris­ka Jans­sens und Va­lé­rie Sau­er mit den Ak­teu­ren um die Wet­te. Es war ei­ne rund­um ge­lun­ge­ne Auf­füh­rung.

Orien­tie­rung für die Men­schen aus al­ler Welt

Selbst er­fahr­ene Pro­fis räu­men ein, dass sie vor ih­rem Auf­tritt von Lam­pen­fie­ber ge­plagt wer­den. Den Lai­en-Dar­stel­lern, egal ob ganz jung oder schon äl­ter, er­geht es nicht bes­ser. Doch im Ver­lauf des Pro­zes­ses des Sich-Be­geg­nens, Ken­nen­ler­nens und An­kom­mens wird Ent­spannt­heit spür­bar. Ge­flüch­te­te aus ver­schie­de­nen Län­dern su­chen Rat und Hil­fe bei den Ein­hei­mi­schen – und ver­zwei­feln ob de­ren Streit­kul­tur, die selbst die Ant­wort auf ein­fa­che Fra­gen wie dem Weg zum Bahn­hof oder ei­ner gu­ten Schu­le un­mög­lich macht. Miss­ver­ständ­nis­se sind pro­gram­miert, schlimm­sten­falls der Rück­zug in die ei­ge­ne Welt, aus der dann Pa­ral­lel­wel­ten ent­ste­hen.

Ein ro­tes Band am Bo­den. Es weist den Weg, ist Orien­tie­rung für die Men­schen aus al­ler Welt, die ih­ren Kof­fern, in die un­ter an­de­rem Sehn­sucht, Frei­heit, Freund­schaft und Lie­be ein­ge­packt wur­den, durch rhyth­mi­sches Trom­meln Mu­sik ent­lo­cken. Auch Stüh­le kom­men zum Ein­satz, sol­che, auf de­nen es sich nicht oh­ne wei­te­res sit­zen lässt. Erst recht nicht, wenn das Ge­gen­über von Sor­gen ge­plagt wird. Et­wa de­nen der deut­schen Spra­che: Wa­rum muss die Gram­ma­tik mit ih­ren Ar­ti­keln „der, die, das“ so schwie­rig sein?

Drang­vol­le En­ge auf knapps­tem Raum

Sze­nen­ap­plaus, als sich zwei weib­li­che Clowns auf ei­nem Draht­seil aus Wol­le an­nä­hern, sich se­hen, sich fin­den. Auch Wün­sche spie­len bei der „Ar­che 2.2“ ei­ne Rol­le. Die Pro­ta­go­nis­ten aus al­ler Welt wün­schen sich „vie­le deut­sche Freun­de, dann kann ich bald gut deutsch spre­chen“, sie seh­nen sich nach Ge­sund­heit oder Geld, oder auch nach mehr Hu­mor: „Das wür­de vie­len das Le­ben er­leich­tern.“

68 Mil­lio­nen Men­schen welt­weit auf der Flucht, auf der Su­che nach ei­nem Platz, an dem sie in Frie­den le­ben und schla­fen kön­nen. Bert Brecht wird zi­tiert, mit der Bit­te un­ter an­de­rem, dass Häu­ser nicht bren­nen und die Nacht für den Schlaf da sein soll. „In the jung­le“ er­klingt, ein Pulk bil­det sich, drang­vol­le En­ge auf knapps­ten Raum, dann flie­gen Pa­pier­flie­ger von der Em­po­re he­rab. Flie­gen über al­le Gren­zen hin­weg. Auf ih­nen be­fin­den sich Bot­schaf­ten und gu­te Wün­sche für die Gäs­te, die dem Ur­teil ei­ner Zu­schau­erin – „sehr be­we­gend“ und „Schluss mit dem Waf­fen­wahn“ – mit an­hal­ten­dem Ap­plaus zu­stim­men. Wün­sche nach Frie­den, nach fried­li­chem Mit­ein­an­der und ganz prak­ti­sche, wie dem Wunsch nach „im­mer ge­nug Scho­ko­la­den­ta­feln“.

Text: Christ­ina Ox­fort

Quelle Wiesbadener Kurier 22. Juni 2018


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