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Martin Weichlein verabschiedet

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Der "Chef im Sauerland" geht in den Ruhestand

Seine Liebe zum Detail, seine Verlässlichkeit und die große Wertschätzung, die er anderen Menschen entgegenbringt – das sind nur ein paar wenige Merkmale, die Martin Weichlein auszeichnen. Der Leiter des Kinder- und Beratungszentrums Sauerland (KBS) der Evangelischen Erlösergemeinde geht nach 15 Jahren an der Spitze in den Ruhestand. Am Sonntag wurde er in einem Gottesdienst von Pfarrerin Katharina Wegner verabschiedet.

Mit seiner offenen und menschenfreundlichen Art hat er die Atmosphäre im KBS und im gesamten Stadtteil maßgeblich mitgeprägt. Das danken ihm seine Kollegen und die Menschen im Sauerland. Neben seiner Kompetenz sprechen die Kollegen immer wieder von seiner Offenheit, Warmherzigkeit und Hilfsbereitschaft. Die Kids vom Kunst-Container im Sauerlandpark haben ihm zum Abschied ein originelles Geschenk gebastelt: Martin Weichlein bekommt einen bunt bemalten Stuhl, auf dem mit großen Buchstaben steht: „Chef im Sauerland“. Dazu kommt aus der Kita noch eine Krone und von jedem Kind ein selbst gemaltes Bild und eine Rose.
Was Martin Weichlein für das Zusammenleben im Stadtteil anstrebt, wird innerhalb des KBS vorgelebt: eine Atmosphäre, in der jeder als Person mit seinen Fähigkeiten gesehen wird– vom Ein-Euro-Jobber bis zur hochqualifizierten Fachkraft. Das KBS trägt auch im Stadtteil maßgeblich dazu bei, dass hier solch eine Atmosphäre entsteht: „Ich denke, dass uns das mit unserer Arbeit gelingt. Ich genieße es etwa, wenn wir uns auf der Straße grüßen“, erklärt er. „Das Sauerland ist manchmal wie ein Dorf, aber kein verschlafenes Nest. Hier pulsiert das Leben vor Ort in den Familien, in den Gruppen, in den Einrichtungen und auf den öffentlichen Plätzen.“
Die Angebote der vier Arbeitsbereiche des KBS – das Jugendzentrum „Trafohaus“, BIS – die Beschäftigungsinitiative für Langzeitarbeitslose – , die Evangelische Kindertagesstätte und das Stadtteilbüro mit Beratungs- und Gruppenangeboten – richten sich an Kinder, Jugendliche, Erwachsene und das gesamte Gemeinwesen. Hinzu kommen seit einigen Jahren auch Angebote für Menschen „50plus“ und das Angebot des Kinder-Eltern-Zentrums (KiEZ), das im Sauerland vom KBS durchgeführt wird.

In ihrer Arbeit sind die KBS-Mitarbeitenden gut vernetzt – mit den Schulen und Kitas, der städtischen Sozialarbeit, dem Ortsbeirat und vielen anderen. Martin Weichlein erklärt: „Der KBS- Leitspruch – Unser Netz trägt‘ – ist keine hohle Phrase. Ich nehme die Arbeit hier wirklich so wahr.“ So wird der Mutter aus der Kita auf kurzem, direktem Weg etwa ein Angebot des KiEZ vermittelt oder einem Mann, der in die Schuldnerberatung kommt, gleich die Teilnahme am Repair Café oder am Mittagstisch angeboten. Wenn sich jemand beschwert, dass Sperrmüll herumliegt, kümmert sich die Beschäftigungsinitiative. Weichlein: „Die Antwort: ,da bin ich nicht zuständig‘ – die gibt es im KBS nicht, und das stärkt das Gemeinwesen, wenn die Menschen merken, das ist jemand, da kann ich hingehen, der hilft mir das zu regeln.“ Die niederschwelligen Angebote, die Präsenz vor Ort, die Beratungen und die Vernetzung, die Förderung eines guten Gemeinschaftslebens im Stadtteil– all das ist für Martin Weichlein der Schlüssel für die gelingende Arbeit des KBS.

Der 63-jährige Weichlein, gelernter Sozialarbeiter, ist von dem Konzept der Gemeinwesenarbeit, sich um Menschen in ihrem Lebens- und Wohnumfeld zu kümmern, überzeugt. „Einem Stadtteil wie dem Sauerland tut so eine Einrichtung wie das KBS gut.“ Dass das KBS von einer Evangelischen Kirchengemeinde, der Erlösergemeinde, getragen wird, findet Weichlein, der selbst katholisch ist, sehr wichtig: „Das hinter all unserem Tun und dem Miteinander ein Menschenbild steht, ist entscheidend. Jeder Mensch, der hierherkommt, wird angenommen, so wie er ist Das verdanken wir auch unserer christlichen Prägung.“ Im Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau findet man kaum eine vergleichbare Einrichtung in der Trägerschaft einer Kirchengemeinde vor Ort.
Dass das KBS jetzt in guten Händen weitergeführt wird, davon ist Weichlein, der sich künftig mehr seinen Interessen und Hobbys widmen will, überzeugt. Seine Nachfolgerin steht bereits fest: Es ist seine Stellvertreterin Christine Gilberg.

Hintergrund KBS:
Das Kinder- und Beratungszentrum Sauerland ist eine soziale Einrichtung in Trägerschaft der Evangelischen Erlösergemeinde Wiesbaden-Sauerland. Die Angebote der vier Arbeitsbereiche – das Jugendzentrum „Trafohaus“, BIS – die Beschäftigungsinitiative für Langzeitarbeitslose – , die Evangelische Kindertagesstätte und das Stadtteilbüro mit Beratungs- und Gruppenangeboten, sowie KiEZ und Angebote für Menschen 50plus – richten sich an Kinder, Jugendliche, Erwachsene und das ganze Gemeinwesen. Entstanden ist das KBS schon in den 70-er Jahren aus einer sogenannten Lern- und Spielstube für Kinder in der damaligen Obdachlosensiedlung Wachsacker. Damals legte die Evangelische Erlösergemeinde den Grundstein für ihr sozialdiakonisches Profil, indem sie sich bewusst für das gute Zusammenleben aller im Stadtteil engagierte. Das Angebot wurde Stück für Stück erweitert und es entstand das Kinder- und Beratungszentrum Sauerland. Heute ist die Arbeit des KBS unter dem Motto „Unser Netz trägt“ mit Unterstützung der Landeshauptstadt ein Modell für gelungene Gemeinwesenarbeit in einem Stadtteil, in dem der soziale Bedarf höher ist als anderswo. Landeskirchenweit findet man kaum vergleichbare Einrichtungen in der Trägerschaft einer Kirchengemeinde.


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