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Arche 2.2 steuert auf den Hafen zu

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Theaterprojekt feiert am 20. Juni Premiere

Was bedeutet das lange, rot bemalte schmale Tuch in der Mitte des Raums? Was hat es mit den kleinen Stühlchen auf sich, die, als winzige Kunstwerke auf dem Boden stehen?

Einfacher zu deuten sind da schon die vielen Koffer, die im Haus an der Marktkirche ins Auge fallen. Groß und mit Stoff bezogen, klassisch aus braunem Leder, in silberfarbenem Alu oder im Miniformat verweisen sie als typische Reiseutensilien auf das, was hier gespielt wird - auf der Arche 2.2.

Das so betitelte Theaterprojekt mit alteingesessenen Wiesbadenern und geflüchteten Neubürgern steuert auf den Hafen zu und lädt am Mittwoch, 20. Juni, um 18 Uhr zur Premiere ein.

„Fremd und vertraut“ ist die gemeinschaftlich entwickelte Szenenfolge überschrieben. Und dass jeder Mensch mit diesen Worten etwas anfangen kann, ist Teil des Konzeptes. „Wir sind hier alle auf Augenhöhe“, sagt die künstlerische Leiterin Priska Janssens. Es gehe um Offenheit, um Austausch und um die Gleichwertigkeit der Erlebnisse, betont die Theaterpädagogin. Gemeinsam Theater spielen, sich darüber kennenzulernen, ohne dass die kulturelle Herkunft der Beteiligten im Vordergrund steht: Das ist für Gemeindereferent Heiko Litz von der Pfarrei St. Bonifatius Ziel der von vielen Kooperationspartnern getragenen Unternehmung.
Spielfreude und Improvisation

Insgesamt haben sich weit über 100 Menschen – aus Deutschland, aus afrikanischen Ländern, aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und anderen Weltgegenden - im Alter von 8 bis (fast) 80 seit dem Start im vergangenen August von der Arche im Wortsinne bewegen lassen, in den Workshops zu Themen wie Zirkus, Film, Tanz und Musik ebenso wie in der Zeit der intensiven Proben. „Wir haben in Wiesbaden ein kreatives Wetterleuchten entfacht“, freut sich Janssens über die große Resonanz.

Die Spielfreude der Beteiligten ist jedenfalls mit Händen greifbar: Mit viel Körpereinsatz und weit ausholenden Bewegungen schieben die rund 30 Laienschauspieler, die zur vorletzten Probe gekommen sind, unter Anleitung der Tänzerin Valérie Sauer imaginäre Berge aus Sand zusammen. Harmlose Fragen – „Wie finde ich eine Wohnung? Wie lerne ich ein Mädchen kennen?“ – führen statt zu sinnvollen Antworten zu lustvoll zelebriertem Streit und beim unerbittlichen Marathon, in den sich der Alltag manchmal verwandelt, fallen Läufer und Helfer in letzter Not einander dramatisch in die Arme.
Vorgeschmack auf die Premiere

Der Partner fehlt, mit dem beim letzten Mal geübt wurde? „Improvisieren! Da muss spontan ein anderer einspringen“, ermuntert Priska Janssens ihre gut gelaunte Truppe. Geduldig bringt sie den inhaltlichen roten Faden in Erinnerung: „Wir machen hier kein Möbelrücken", leitet sie die Akteure an, die mit ihren Stühlen ein wenig zu planlos herumwandern: "Das ist ein symbolischer Akt. Es geht um Euren Platz im Leben“. Auch Mustafa weiß nicht mehr sofort, wo er seinen Auftritt beginnen soll. Als der junge Mann aus Somalia aber erst leise und zart, dann selbstbewusster anfängt, in seiner Muttersprache zu singen, während er langsam auf dem roten Tuch in den Raum schreitet, blitzt einer dieser magischen Theatermomente auf – ein kleiner, berührender Vorgeschmack auf die Premiere. Texte und Foto: Barbara Reichwein / Bistum Limburg

Arche 2.2. ist eine Kooperation der katholischen und der evangelischen Kirche sowie der Landeshauptstadt Wiesbaden. Premiere ist am am 20. Juni um 18 Uhr im Haus an der Marktkirche (Am Schlossplatz 4). Eintritt frei.


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