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Sinnsuche im U-Bahn-Schacht

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„Letzter Halt“ feiert gelungene Premiere
In der U-Bahnstation „Heilig Geist“, irgendwo in einer Großstadt, suchen ihn viele, diesen „letzten Halt“. Doch wo könnte er sein? Oder sogar wer?

Ganz unterschiedliche Menschen treffen in dieser U-Bahnstation aufeinander: Die Penner, Junkies und Huren, die Geschäftsleute, Banker und seelenlosen Manager. Die Enge des U-Bahn-Schachtes wirkt wie ein Brennglas, hier verdichten sich die menschlichen Ängste und Sorgen, Habgier und Egoismus. Dem einen werden das erbettelte Kleingeld und der Schlafplatz auf der Wartebank genommen, der andere bangt um seine Beförderung oder kann das laufende Projekt nicht beenden. Menschliche Kälte trifft auf Bedürftigkeit und Sinnsuche. Und dann ist da noch der Mann, der den Toten das zu Stein gewordene Herz entnimmt und der Geist Jesu, der sphärisch über allem schwebt und am Guten im Menschen zweifelt.

Einen nicht ganz leichten Stoff hat sich die Schwarzlicht-Theatergruppe des Evangelischen Stadtjugendpfarramts Wiesbaden mit dem Stück „Letzter Halt“ vorgenommen. In einer rund zweistündigen Vorstellung haben sie das Stück gelungen auf die Bühne im Bonhoefferhaus gebracht.

Autorin ist Heidi Bochenek, sie hat mit „Letzter Halt“ ein vielschichtiges Stück über die Spaltung der Gesellschaft in arm und reich, über Sinnsuche und existenzielle Ängste geschrieben und gefragt, wie antastbar die Würde des Menschen tatsächlich ist. Geschickt hat sie dabei das Setting gewählt und die Geschichte überwiegend in einem U-Bahn-Schacht spielen lassen und somit den nicht ganz leichten Stoff mit der Alltagswelt verknüpft. Immer wieder werden auch religiöse Motive angetastet: Tod und Auferstehung, Schuld und Sühne, Barmherzigkeit.

Eine der skurrilsten Schwarzlichtszenen, ist die, in der ein mit Horror-Clown-Maske entstellter Pfarrer im Talar auftritt (Robin Jonas) und sich wundert, dass plötzlich Menschen in seiner Kirche sind.

Die Schwarzlichtszenen (Effekte: Linnert Arndt, Sina Beigel, Robin Jonas, Anna Kaufmann, Marleen Scheuerling, Karolin Schneider und Julia Speicher) sind allesamt sehr gelungen und geben dem Stück auch dieses Mal wieder eine magische, entrückte Atmosphäre. Auch wenn nicht immer ganz klar wird, ob es Traum- oder Fantasieszenen sind, oder ob das Schwarzlicht auf eine Zwischenwelt zwischen Leben und Tod hindeutet.

Die Aufführung lebt von einem wunderbaren Bühnenbild – vor allem die alte verrottete Kirche ist gigantisch schön -, ausdrucksstarken Masken und detailgetreuen Kostümen und Requisiten. Die Musik erzeugt ein stimmiges Gesamtbild. Unter vielen guten Darstellern ragt Sebastian Biewald in der Rolle des Penners und gleichzeitig des Sensenmanns mit schauspielerischer Leistung heraus.

Traditionell ist auch „Letzter Halt“ gemeinschaftlich erarbeitet. Rund 25 Akteure vor und hinter der Bühne sind an dieser Produktion beteiligt, die Gesamtleitung hat Klaus Kosmehl, die Regie liegt in den Händen von Malte Kuckel. Heidi Bochenek ist mit Sebastian Biewald, Max Klug, Fa-Rung Rath, Karolin Schneider und Malte Kuckel für die gesamte Bühnenausstattung mit Requisiten verantwortlich. Für die Bühnentechnik zeichnen Max Klug und Daniel Kohlhöfer verantwortlich.

Hintergrund:

Das Schwarze Theater des Evangelischen Stadtjugendpfarramtes gibt es mittlerweile seit 17 Jahren. Es ist nicht nur zu einer festen Größe im Stadtjugendpfarramt, sondern auch in der Jugendkulturszene der Stadt geworden. Zu den Vorstellungen im Bonhoefferhaus kommen pro Jahr rund 400 bis 500 Zuschauer. Fast jährlich formiert sich die Gruppe zum Teil neu. Rund 100 Jugendliche haben in den vergangenen 17 Jahren beim Schwarzen Theater mitgewirkt. Aktuell besteht die Theatergruppe aus mehr als 20 jungen Menschen zwischen 15 und 40 Jahren. Die Leitung hat Stadtjugendreferent Klaus Kosmehl.


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