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"Bleibt Kirche bei den Menschen!“

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Klarenthaler Protestanten feiern 50. Geburtstag
Es war Anfang der 1960er-Jahre als der Architekt Ernst May den Auftrag bekam, einen Bebauungsplan für eine Siedlung nord-westlich der Innenstadt zu erstellen.

Das war der Beginn des Wiesbadener Stadtteils Klarenthal. Mitte der 60er-Jahre zogen die ersten Bewohnerinnen und Bewohner ein. Eine Kirche gab es zunächst nicht, kirchliche Veranstaltungen fanden in einer ausgedienten Baubaracke statt, Hauskreise in Privatwohnungen, Konfirmanden-Unterricht in der Grundschule.

Ab 1968 nutzten die beiden Kirchengemeinden gemeinsam eine ökumenische Notkirche. 1969 kam der erste evangelische Pfarrer Walther Wenzel nach Klarenthal, drei Jahre später wurde mit dem Bau des evangelischen Gemeindezentrums begonnen.
Heute, 50 Jahre später, feiert die evangelische Kirchengemeinde nun ihren runden Geburtstag. Denn am 1. April 1968 wurde sie offiziell gegründet.

Zum Gratulieren fanden zahlreiche Weggefährten, ehemalige Pfarrerinnen und Pfarrer, Gäste aus dem Stadtteil, der lokalen Politik und Vertreter der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde den Weg zum Festgottesdienst am Sonntag, 15. April.

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Unter den Gratulanten war auch der Propst für Rhein-Main, Oliver Albrecht, der im Gottesdienst die Predigt hielt. Mitgestalter waren darüber hinaus die Klarenthaler Pfarrerin Ulrike Conrad (im Bild oben rechts), der ökumenische Chor, Burkhard Mohr an der Orgel und Martin Wollweber an der Trompete.

„Beim 40. Geburtstag wird meistens zurückgeschaut, beim 50. dagegen wird nach vorne geschaut“, stellte Propst Oliver Albrecht fest. Und das spüre er in Klarenthal ganz deutlich: „Kirche ist hier keine kleine Clique, hier werden die Türen weit geöffnet, dieser Kirchenraum ist kein Bunker der Vergangenheit, sondern ein Zelt Gottes bei den Menschen.“
Sinnbildlich für diese Offenheit steht auch ein Tor außerhalb der Kirchenmauern, direkt an der Straße: Dieses Tor, so ergänzt Pfarrerin Conrad, symbolisiere noch mal die Verbindung zwischen Stadtteil, Alltagswelt und Kirche. Es soll aber auch ein Tor zum Nächsten sein.
Das Tor zur katholischen Schwesterkirche steht zumindest seit der Gemeindegründung weit offen: So wird bis heute etwa der Buß- und Bettag gemeinsam in der evangelischen Kirche gefeiert, vor Ostern ziehen evangelische und katholische Christen beim ökumenischen Passionsgang von der einen zur anderen Kirche. Pfarrerin Ulrike Conrad liegt aber auch die Vernetzung mit dem Stadtteil sehr am Herzen: „Das hat hier einfach Tradition. Die Klarenthaler identifizieren sich stark mit ihrem Stadtteil und da gehört die Kirche eben dazu.“ So findet der Klarenthaler Neujahrsempfang etwa traditionell im evangelischen Gemeindezentrum statt.

In den vergangenen 50 Jahren ist die Kirchengemeinde dem demografischen Wandel und dem allgemeinen Trend folgend zwar geschrumpft, doch Pfarrerin Ulrike Conrad schaut dennoch optimistisch in die Zukunft, denn die Kinder- und Jugendarbeit ist in der Gemeinde immer noch ein wichtiger Teil und die Angebote werden von Familien gut angenommen: „Die evangelische Kita ist sehr aktiv, wir haben mittlerweile zwei Spielkreisgruppen für Mütter und Kinder und eine rege Konfirmanden-Arbeit.“ Darüber hinaus, so ergänzt die Kirchenvorstandvorsitzende Dr. Sabine Totsche (im Bild oben links), gelinge der Gemeinde nicht nur die Verbindung mit dem Stadtteil, sondern auch zwischen den Generationen.

In seiner Festpredigt bezog sich Propst Albrecht auf das Gleichnis vom verlorenen Schaf. Er appellierte an die Gemeinde, den Einzelnen nicht aus dem Blick zu verlieren. Kirche habe als Institution keine Bedeutung, es gehe immer um den Einzelnen: „Wie schön fühlt es sich an, wenn man verloren gegangen ist und dann vermisst und gesucht wird“, so der Propst. Suchen sei wichtiger als besitzen. Jesus habe immer gesucht, aber nie besessen. „Wenn Ihr Gemeinde baut, fangt immer mit dem Verlorenen an, denn nur so kann Liebe und Leidenschaft Gottes in eurer Gemeinde wohnen.“ Die Suche nach dem Verlorenen, so Propst Albrecht, sei die Suche nach Gott selbst. Seinen wichtigsten Geburtstagswunsch für die Klarenthaler verband Propst Oliver Albrecht nun auch mit einer Aufforderung: „Bleibt Kirche bei den Menschen!“
Weitere Infos zur Kirchengemeinde: www.evangelische-kirche-klarenthal.de.


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