Start
Der Blick in die Ewigkeit

alt

Künstler fotografiert Eingangstüren von Grüften
Eine Foto-Ausstellung von Kreuzen in der Passionszeit, in einer Kirche? – nicht besonders originell, so denkt man. Doch wer dieser Tage den Weg in die Wiesbadener Bergkirche findet, wird eines besseren belehrt.

Da hängen Sie, die „12+1 Fotos“ von dem Wiesbadener Künstler Alexander Chessa auf Leinwand gezogen. Er hat auf Reisen die Eingangstüren von Grüften europäischer Friedhöfen fotografiert. Im Mittelpunkt seiner Fotoarbeiten stehen dabei immer die Kreuze, die in die Türen kunstvoll - manchmal verspielt, manchmal schlicht, manchmal wie ein Ornament - eingestanzt sind. Ganz bewusst hat Chessa in seinen Arbeiten die Gruft auf die Eingangstür reduziert und somit das christliche Symbol des Kreuzes zum Hauptmotiv gemacht. Er sagt selbst: „Die Grüfte als Gebäude sind nett, aber die Türen, die sind cool. Mich haben einfach nur die Türen interessiert. Die Tür ist für mich der Schlüssel – durch sie kann man raus- und wieder reingehen, hindurchgucken, durch sie fällt Licht in die Gruft.“

alt

So haben Chessas Fotos oft mehrere Ebenen: Der Betrachter schaut durch das Kreuz hindurch und sieht auf ein weiteres Kreuz oder eine Heiligenfigur im Innern der Gruft. Oft schimmern auch andere Farben hindurch, man sieht Spinnweben oder Staub und das einfache Kreuz wird so zu einem künstlerisch vielschichtigen Motiv.

Für Pfarrer Markus Nett, der aus insgesamt 70 Bildern von Kreuzen 13 für die Bergkirche ausgewählt hat, steckt viel Theologisches in den Fotoarbeiten: „Es ist auch ein bisschen ein Blick in die Ewigkeit. Die Gruft-Türen sind sinnbildlich der Zugang zur Transzendenz.“ Hinzu komme, so Pfarrer Nett, dass diese Kreuze ästhetisch sehr schön sind. „Sie verlieren in diesen Fotos ihre Schärfe. Damit wird auch dem Tod der Stachel gezogen.“

alt

Dass Chessas Fotos teilweise wie Gemälde wirken, ist den Farbverläufen auf den Gruft-Türen geschuldet. Denn auf dem Metall haben sich durch die Korrosion über die Jahrzehnte poröse Überzüge gebildet - manchmal in rotbrauner, manchmal in blaugrüner oder purpurner Farbe. Sind die Rostschichten dicker, blättern sie ab, sodass das darunter liegende Eisen erneut korrodiert und wieder eine andere Farbeschicht entsteht. So haben die Türen und die Kreuze eine Verwandlung durch die Zeit erlebt, an ihnen hat buchstäblich der Zahn der Zeit genagt.

alt

Und so werden die Ränder manch eines Kreuzes unscharf, woanders hängen an der Kreuzöffnung Keramikblumen, irgendwo ist ein sternförmiges Samenkorn in einem Spinnweben hängen geblieben. Auch wenn sich die Motive ähneln, so sind die Fotos jedes für sich doch einzigartig.

Die Ausstellung wird auch nach Ostern noch in der Bergkirche zu sehen sein. Eintritt frei.


rssfeed
Email Drucken Favoriten Twitter Facebook googleWebSzenario
 
Joomla templates by a4joomla