Start
„Weltneuheit“ in Erbach

alt

"Schwebendes" Taufbecken wurde seiner Bestimmung übergeben

„Ein Stück vom Himmel, ganz nah“ – so bezeichnete Pfarrer Dr. Markus Zink, Referent für Kunst und Kirche der EKHN, die neue Taufschale (Foto: Michael Donath) der evangelischen Johanneskirche in Erbach, die in einem Festgottesdienst ihrer Bestimmung übergeben wurde.

Angelehnt an das Wort Johannes des Täufers „Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“ stellte er in seiner Predigt die Taufe als ständigen Wendepunkt des Lebens ins Zentrum des christlichen Glaubens. Genau dies vermittelt die Erbacher Taufschale auch von jetzt an mit ihrer Position: im Zentrum des Kirchenraumes.

Das ganz Besondere daran ist, dass die in ihrer Form aus verschieden großen Kugelschalen zusammengefügte Taufschale an der Kirchendecke hängt und für Taufen heruntergelassen wird.
„Ein schwebendes Taufbecken“ – das war die Idee des Künstlers Bodo Sperlein, der vor knapp zwei Jahren den Auftrag bekam, ein Taufbecken, einen Ambo und einen Osterkerzenleuchter als neue liturgische Orte der im Herbst 2015 fertig renovierten Erbacher Johanneskirche zu schaffen.

Der Londoner Künstler und Designer, der aus Bayern stammt, ließ sich von den Materialien und der Ornamentik der Kirche inspirieren, wie er in einer an den festlichen Einweihungsgottesdienst sich anschließenden Matinee der zahlreich anwesenden Gemeinde erläuterte. Und er zeigte sich beeindruckt von dem Mut, den die Gemeinde in seinen Augen bewies, sich auf ein solches Projekt einzulassen.

„Sie hinterlassen für das 21. Jahrhundert hiermit der Nachwelt etwas sehr Besonderes“, ist er sich nicht ganz sicher, ob es nicht vielleicht sogar eine „Weltneuheit“ ist, ein solch schwebendes Taufbecken in einer Kirche zu etablieren.
Inspiriert habe ihn der imposante flämische Messingleuchter, der den Kirchenraum prägt. Deshalb habe er sich auch für Messing als Material für die drei liturgischen Ausstattungsstücke entschieden. Außer der zentralen Taufschale sind auch der Leuchter und der Ambo formal durch das Zusammenfügen von Kugelschalen geprägt. Bei allen hat sich der Künstler an der Farbe des alten Leuchters orientiert: die äußere Oberfläche hat einen eher bronzefarbenen Ton, obenauf, und im Falle der Taufschale im Inneren der Schale, ist das Material poliert und glänzt wie Gold.
„Die Objekte sind perfekt integriert in den Kirchenraum“, befindet Künstler Bodo Sperlein auf eine Frage von Pfarrerin Bianca Schamp nach seinem ersten Eindruck. Schamp zeigt sich ihrerseits ebenfalls begeistert von den neu gestalteten liturgischen Orten ihres Gotteshauses: „Die haben uns genau noch hier gefehlt. Es ist, als seien sie schon immer da gewesen“, formuliert sie den Eindruck, der sich bei vielen der zahlreichen Gottesdienstbesucher breit machte.

Dankbar zeigte sich die Pfarrerin an diesem bemerkenswerten Tag für ihre Kirche. Dankbar für das Engagement zahlreicher Gemeindeglieder und des Kirchenvorstandes, die mit viel Einsatz zum Gelingen des ehrgeizigen Projektes beigetragen hätten. Dankbar aber auch für die Unterstützung, die die Gemeinde aus der Kirchenverwaltung der EKHN erhalten habe, namentlich die Beratung durch Kirchenbaudirektorin Margit Schulz, und die Übernahme eines Großteils der Kosten.

Die Besucher von Gottesdienst und Matinee am Sonntag konnten auch einen Eindruck gewinnen davon, wie die Taufschale, die vom Künstler lediglich zeichnerisch entworfen und in Form von Modellen aus anderen Materialien verwirklicht wurde, schließlich handwerklich gegossen wurde.

Ein kurzer Film gewährte einen Einblick in die Arbeit der Gießerei Glassl in Michelstadt, deren Chef selbst den Guss vornahm. Künstler Sperlein zeigte sich beeindruckt von der perfekten handwerklichen Umsetzung seines Entwurfes, denn erst damit erhalte ein Objekt die einzigartige Ausstrahlung, mit der es am Ende an seinem Platz wirke. „Ich will Objekte schaffen, die etwas bewirken, die Geschichten erzählen“, sagt er über seine künstlerische Motivation. Dass er dies mit dem neuen schwebenden Taufbecken erreicht hat, darüber waren sich alle, die zur Einweihung der neuen Objekte in der Erbacher Johanneskirche gekommen waren, einig.

Mehr zum Projekt und viele Bilder unter www.triangelis.de


rssfeed
Email Drucken Favoriten Twitter Facebook googleWebSzenario
 
Joomla templates by a4joomla