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Nicht nur Lab­sal für die See­le...
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Evangelische Kir­che be­tont mit der Ein­füh­rung von Ni­co­le Nest­ler ih­re ge­samt­ge­sell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung

Die jun­gen Leu­te vom Tra­fo­haus hat­ten beim Emp­fang al­le Hän­de voll zu tun, um Glä­ser zu fül­len und Snacks zu ver­tei­len. Zur Amts­ein­füh­rung von Ni­co­le Nest­ler, die seit Ja­nu­ar die Fach­stel­le für ge­sell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung im De­ka­nat Wies­ba­den be­setzt, war ei­ne gro­ße Gäs­te­schar ins Sau­er­land ge­kom­men.

Ei­gent­lich fehl­te nur ein of­fi­ziel­ler Ver­tre­ter der Stadt. Auch das ist ein deut­li­ches Zei­chen, dass Not tut, was De­kan Mar­tin Men­cke der Po­li­tik­wis­sen­schaft­le­rin als Auf­ga­be ge­stellt hat: „Ak­zen­te zu set­zen und Im­pul­se zu ge­ben für die Ge­mein­den und Dien­ste im De­ka­nat, und in un­se­rer Stadt... Da­mit der Frie­den wächst, der auf Recht und Ge­rech­tig­keit wur­zelt“ und auch im Rat­haus nie­mand mehr an ihr vor­bei­kommt.

Das Leucht­turm­pro­jekt im Sau­er­land

Ganz be­wusst fand die Amts­ein­füh­rung der Nach­folg­erin von „So­zi­al­pfar­rer“ Chris­ti­an Fi­scher in der Er­lö­ser­ge­mein­de statt. Sie trägt das Kin­der- und Be­ra­tungs­zen­trum Sau­er­land mit dem Ju­gend­zen­trum Tra­fo­haus, en­ga­giert sich für die Mit­ge­stal­tung ei­nes gan­zen Stadt­teils und nimmt da­mit ge­samt­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­ben bei­spiel­haft wahr: „Das hier ist ein Leucht­turm, ein ganz be­son­de­res Pro­jekt un­se­rer Kir­che“, sag­te Men­cke nicht oh­ne Stolz.

Schon in sei­ner Pre­digt über den Satz des Pro­phe­ten Amos „Das Recht aber strö­me wie Was­ser und die Ge­rech­tig­keit wie ein nie ver­sie­gen­der Bach“ hat­te der De­kan da­rauf hin­ge­wie­sen, dass noch viel zu tun bleibt für die Kir­che und uns al­le, auch wenn „der Staat für sich selbst in An­spruch nimmt, die Le­bens­ver­hält­nis­se ge­recht zu re­geln“. Wenn wir wirk­lich hin­schau­ten, so Men­cke, „ge­hen uns die Au­gen über ob der Not in der Welt“. Und er frag­te in den vol­len Kir­chen­raum hin­ein: „Was tun wir für die Be­dürf­ti­gen? Für die Hun­gern­den? Für die Men­schen in Sy­rien? Und was für die Ob­dach­lo­sen die­ser Stadt? Was für die Kin­der, die nicht ver­sorgt wer­den, was für die Al­ten, die sich um ihr Aus­kom­men sor­gen oder sich selbst im Schlei­er des Ver­ges­sens zu ver­lie­ren dro­hen? Wo ist da mein Teil, den ich leis­ten kann? Was ist mei­ne Kon­se­quenz im Po­li­ti­schen?“

Der evan­ge­li­sche Theo­lo­ge un­ter­strich noch ein­mal die Ge­samt­ver­ant­wor­tung der Chris­ten: „Un­ser Glau­be ist un­ser Welt­ver­hä ltnis zu­gleich. Re­li­gi­on ist nicht nur Lab­sal für die See­le, nicht nur Pri­vat­sa­che, bürg­er­lich, ge­pflegt.“ Es kön­ne nicht sein, dass sich die Kir­che heu­te al­lein um die Ge­stal­tung von Got­tes­diens­ten und die in­ne­re Er­bau­ung küm­mert. „Es bleibt Auf­ga­be der Kir­che wie ei­nes je­des Ein­zel­nen, Recht wie Was­ser und Ge­rech­tig­keit wie ei­nen nie ver­sie­gen­den Bach strö­men zu las­sen.“ Da­rum be­set­ze die Evan­ge­li­sche Kir­che in Hes­sen und Nas­sau seit fast zwei Jahr­zehn­ten bei­na­he flä­chen­de­ckend die Fach­stel­le ge­sell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung. „Sie möch­te auch künf­tig ei­nen Bei­trag da­zu leis­ten, dass Chris­ten sich fun­diert orien­tie­ren und be­grün­det po­si­tio­nie­ren kön­nen.“

Autor: Heinz-Jürgen Hauzel

Quelle: Wiesbadener Kurier / Tagblatt 6. März 2018


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