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Ärzte und Pfarrer treffen sich

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Gottesdienst mit Nikolaus Schneider und Propst Oliver Albrecht

„Ärztinnen und Ärzte, Pfarrerinnen und Pfarrer stellen sich immer wieder der objektiven Grenze zwischen Leben und Tod. Die Begrenztheit des eigenen Handelns schmerzlich erfahren, sich mit den eigenen Kräften am Limit fühlen und dennoch weitermachen wollen, wer von Ihnen kennt das nicht“, fragte der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Nikolaus Schneider.

Er hielt die Festpredigt in einem Gottesdienst in der Wiesbadener Marktkirche für Ärzte und Pfarrer. Der Gottesdienst unter der Leitung von Propst Oliver Albrecht und dem Wiesbadener Palliativmediziner und Onkologen Dr. Bernd Oliver Maier (St. Josef Hospital) stand unter dem Titel: „Der Grenze zum Trotz. Ärztinnen und Ärzte, Pfarrerinnen und Pfarrer gemeinsam am Limit.“

„Ich finde es gut, wenn wir in unseren uralten Berufen etwas zusammen machen“, betonte Albrecht. Und Maier sagte zu den Gottesdienstbesuchern: „Uns verbinden Grenzerfahrungen und wir hoffen, dass jenseits unserer Grenzen noch ein Leben möglich ist, das unsere Möglichkeiten übersteigt.“ Diese Grenzerfahrungen würden das persönliche Selbstwertgefühl und das berufliche Wirken von Ärzten und Pfarrern gleichermaßen in Frage stellen, so Schneider in seiner Predigt. Es tue gut, in solchen Situationen Gottes Gegenwart als nachhaltige Kraft zu erfahren und „unseren Geist an Grenzerfahrungen nicht scheitern zu lassen.“

Kein billiger Trost

Grundlage der Predigt war die so genannte „Gethsemaneerfahrung Jesu“. Im Markusevangelium werden die letzten Stunden Jesu mit seinen Jüngern kurz vor seiner Verhaftung und Verurteilung beschrieben. Der Text mache deutlich, dass auch denen, die auf Gott vertrauen, schmerzhafte Grenzerfahrungen nicht erspart blieben. Selbst an Jesus sei der „Kelch des Leides“ nicht vorbei gegangen. Er habe seine Weggefährten aber um solidarisches Mitleiden gebeten und sich gewünscht, dass der Kelch von ihm genommen werde.

Christen könnten sich sicher sein, dass Gottes Gegenwart sie in allen Grenzerfahrungen begleite. Der Tod bleibe eine „letztlich nicht zu überwindende Grenze.“ Die Botschaft des Textes sei, „dass Gott unser Ansprechpartner, gerade in Grenzerfahrungen bleibt“, so der ehemalige Ratsvorsitzende. Deshalb brauche man schmerzhafte Grenzerfahrungen weder voreinander noch vor Gott verbergen. „Um dieser Grenze nachhaltig zu trotzen, brauchen Menschen ein Gottvertrauen über den Tod hinaus.“ Gott behalte das letzte Wort über Tod und Leben.

"Dennoch-Vertrauen in die Sinnhaftigkeit unseres Lebens"

Mit Blick auf die alltäglichen Erfahrungen der Ärzte und Pfarrer sagte Nikolaus Schneider: „Wir können auch angesichts des Todes, also mit dem Wissen um unsere Begrenztheit, ein widerständig-trotziges Dennoch-Vertrauen in die Sinnhaftigkeit unseres Lebens und Arbeitens behalten. Hier könne vor allem das Gebet Menschen Kraft, Orientierung und Hoffnung schenken.

Musikalisch stand die Bachkantate „Ich habe genug“ (BWV 82) im Mittelpunkt. „Die Musik kann uns vielleicht Räume eröffnen, die Worte alleine gar nicht erschließen können“, so der Propst für Rhein-Main. Die musikalische Leitung hatte Kantor Thomas J. Frank. Eindrucksvoll sang Bariton Prof. Dr. Thomas Gropper zusammen mit der Kammerphilharmonie Rhein-Main den lebenssatten Simeon, der sich, anders als beim Bibeltext von Schneider und der Lebenswelt der Ärzte und Pfarrer, in einer Todessehnsucht auf seinen Tod freut. Nikolaus Schneider erzählte den Ärzten und Pfarrern, dass seine jüngste Tochter an Leukämie gestorben sei, und er und seine Frau sie begleitet hätten. „Diese Geschichte aus dem Garten Gethsemane hat unsere Tochter getröstet“, erklärte Schneider. „Solche Gethsemaneerfahrungen, aber auch ein erfülltes Leben, wie Simeon es hatte, das wünsche ich euch“, sagte Schneider abschließend.

Hintergrund:

Die Idee eines gemeinsamen Gottesdienstes entstand 2016, als sich erstmals explizit Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Ärztinnen und Ärzte zu einem gemeinsamen Studientag zum Thema „Das letzte Jahr im Leben eines Menschen“ trafen. Propst Oliver Albrecht, der selbst aus einer Arztfamilie stammt, hatte die Idee dazu: „Filme, Impulse, Podium und Dialog, aber auch Gesang und Gebet haben uns einander näher gebracht und das Verbindende dieser beiden uralten Berufe erkennen lassen“, so der Propst für Rhein-Main. Daraus entstand der Wunsch, dass ein interdisziplinäres Team die Anregung des Studientages umsetzten und einen gemeinsamen Gottesdienst von Ärzten und Pfarren vorbereiten sollte.


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