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Fachtagung mit Marte-Meo-Begründerin Maria Aarts: Achtsam sein, abwarten und den Blick schärfen

Eigentlich wollten sich die Erzieherinnen und Erzieher zu einer kleinen Fachtagung in Wiesbaden treffen. Doch am Ende wurde die Stadthalle Flörsheim angemietet, weil man einen so großen Raum in Wiesbaden nicht gefunden hatte. 630 Mitarbeitende aus überwiegend evangelischen, aber auch kommunalen Kindertagesstätten aus Wiesbaden und ganz Hessen sind der Einladung des Zentrums Bildung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) gefolgt – zu einem Fachtag mit dem Thema Marte Meo.

Grund für das große Interesse ist die prominente Rednerin: Maria Aaarts. Die Niederländerin, die selbst mit 13 Geschwistern aufgewachsen ist, hat Marte Meo Ende der 70er-Jahre aus der Arbeit mit autistischen Kindern heraus entwickelt. Marte Meo – übersetzt: „aus eigener Kraft“ – ist eine sogenannte Entwicklungs- und Kommunikationsmethode. Sie wird mittlerweile auf der ganzen Welt praktiziert, in vielen Städten gibt es eigene Marte-Meo-Zentren, längst ist die erfolgreiche Methode auch auf andere Arbeitsbereiche übertragen worden und wird nicht nur in der Erziehung eingesetzt.

Die Wiesbadener Fachberaterin für Kindertagestätten, Sabine Altheim vom Zentrum Bildung der EKHN, hat den Fachtag initiiert. Sie hat sich selbst lange mit Marte Meo beschäftigt: „Man entdeckt mithilfe von Marte Meo, wie viel Großes in ganz kleinen Schritten passiert“, erklärt sie. Marte Meo, so Altheim, habe sie pädagogisch sehr weitergebracht, denn die Methode wirke im ganzen System – zwischen Erziehern, Eltern, Kindern und bei einem selbst.

Maria Aarts hat die Marte-Meo-Methode entwickelt, indem sie Familien mit gelungener Interaktion in ganz alltäglichen Situationen beobachtet und per Video aufnimmt. Die Momente der Interaktion zwischen Kind und Erwachsenem werden anhand der Videosin sehr kleinen Schrittenanalysiert. Genau das tut sie auch in Flörsheim vor und mit den rund 600 Fachkräften: Sie zeigt kurze Videofrequenzen, in denen etwa eine Mutter ihr Kind fütter, eine Erzieherin mit einemZweijährigen im Bällebad spielt oder ein Vater in Interaktion mit seinem Baby ist.

Es wird genau geschaut, was die Kinder tun, für was sie sich interessieren und was sie schon entwickelt haben und welche Rolle die Erwachsenen dabei spielen. Das, was ein Kind noch nicht kann, das kann es noch entwickeln. Maria Aarts ist dabei überzeugt: „In jedem Kind schlummert eine Goldmine.“ Schwerpunkt von Marte Meo ist es, für diesen Schatz, dieses Potential den Blick zu schärfen und achtsam dafür zu werden, was in kleinen Momenten geschieht: Was sind strukturierte Situationen, in denen man ein Kind anleiten oder führen muss, um es zu fördern? Was sind freie Situationen, bei denen man aufmerksam wartet, dem Kind ein „gutes Gesicht“ schenkt, und es bestärkt, etwas aus eigener Kraft, eigenem Antrieb zu tun.

Je nach Alter des Kindes kann man dabei etwa dessen Töne nachahmen, beschreiben, was es tut oder einfach eine gute Verbindung herstellen. „Das größte Risiko“, so Maria Aaarts, „ist, wenn man die Probleme für sein Kind löst, anstatt es Schritt für Schritt anzuleiten, dass es selbst seine Probleme löst.“

Das Instrument, mit dem man bei Marte Meo arbeitet, ist die sogenannte Interakionsanalyse per Video. „Es wird die Kraft der Bilder genutzt“, erklärt Dr. Christian Hawellek, der ebenfalls während der Tagung über Marte Meo spricht. Positive Momente in der Interaktion per Video einfangen und reproduzieren zu können – das mache solche positiven Momente groß und bewusst, so Hawellek: „Sie können auf diese Weise kleine Situationen sehen, Sie können kleine Entwicklungsschritte sehen“, erklärt er den Erzieherinnen und Erziehern. Somit, so Hawelleks These, verändere sich auch die Beziehung im Team und das bereichere alle.


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