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Wie viele Meter sind 300 Fuß? PDF Drucken E-Mail

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Wiesbadener Fachleute ringen um exakte Höhe der Marktkirche

Über die Höhe des Hauptturms der Wiesbadener Marktkirche existieren ungewöhnlich unterschiedliche Angaben: 98, 92 oder etwa nur 88 Meter? Gibt es gar eine Bestätigung für emporstrebende 100 Meter?

Sigrid Möricke, Stadtentwicklungsdezernentin in der Landeshauptstadt, wollte es genau wissen: Sie beauftragte die angehenden Vermessungstechniker Timo Ohnhaus und Pascal Seelhof vom Dern‘schen Gelände aus, eine aktuelle Messung durchzuführen. Die Auszubildenden genossen dabei sichtlich das Medieninteresse am vergangenen Freitag (23.8.). Gemeinsam mit dem Leiter der Stadtvermessung, Professor Dr.-Ing. Erich Wieser, gaben die beiden Auszubildenden Auskunft an ihrem Meßgerät.

Zuerst: Wird das Kreuz auf der Turmspitze mitgerechnet? Ja, bestätigt der Amtsleiter, „wir bestimmen vom Kreuz an“. Aber auf dem Boden ist man sich nicht einig. Wo anfangen? Ist die Basis als Bezugspunkt noch die gleiche wie 1862, als die Backsteinkirche von Baumeister Carl Boos fertiggestellt wurde? Hat man möglicherweise vom Fundament aus die Höhe bestimmt? 300 Fuß lautet das Maß in alten Urkunden, bestimmt durch die Nassauischen Triangulation von 1863. Sicher ist, der protestantische Landesdom liegt 203,869 Meter über Normal Null (NN), dem Meeresspiegel. Legt man das heutige Pflaster als Basis an, messen sich 88,66 Meter aus.

Wieser teilt die Ansicht, die Maßeinheit sei im Herzogtum der „Nassauische Werkfuß“ gewesen. Das wären 0,314 Meter. Dann würde die Höhe um die 95 Meter ausmachen, nicht aber 98. Um die Angabe von 300 Fuß zu klären müssen die Wiesbadener Vermesser nun in alte Bauakten schauen. Die Idee, den Turm zu vermessen ist laut Mörike beim letzten Sternschnuppenmarkt gemeinsam mit Kantor Dr. Thomas Frank entstanden.

 

Zur Information: Die Marktkirche ist ein Kulminationspunkt deutscher Kirchenbaugeschichte. Klassik, Neogotik und Romantik bestimmen die Architektur der Kirche. Nach Plänen des Architekten Carl Boos erbaut und 1862 eingeweiht, wurde der Nassauische Landesdom zum höchsten Gebäude der Stadt. Kurze Zeit später gab der Volksmund dem Backsteinbau den Namen „Marktkirche“. Zu ihrer Entstehungszeit galt sie als architektonisch innovativ. Material und Form orientierten sich an der von Karl Friedrich Schinkel (1781- 1841)  entworfenen und 1831 vollendeten Friedrichswerder‘schen Kirche in Berlin.

 

 


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